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18-1-0 018 Wer waren die (Proto)-Indoeuropäer? Ein Ursprung europäischer Kultur

Beginn Do., 12.07.2018, 19:00 - 21:00 Uhr
Kursgebühr 14,00 €
Dauer 1 x
Kursleitung Dr. Michael A. Rappenglück M.A.

Zwei Drittel der heutigen Weltbevölkerung verständigt sich in einem Abkömmling der indoeuropäischen Sprache, die sich zwischen 3500 und 3000 v. Chr. getrennt entwickelt haben. Zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehören die germanischen, slawischen, baltischen, keltischen und italischen Sprachen, Albanisch, Armenisch, Griechisch, die indoarischen und die indoiranischen, sowie die nicht mehr existierenden anatolischen und tocharischen Sprachen. Die Sprecher gehörten der der bronzezeitlichen Kultur der Proto-Indoeuropäer an, die sehr wahrscheinlich ursprünglich in den Steppen nördlich von Schwarzem und Kaspischem Meer beheimatet gewesen waren (Kurgan-Hypothese; aber es gibt auch andere Hypothesen). Aus der sehr gut rekonstruierbaren proto-indoeuropäischen Sprache können Rückschlüsse auf die Lebensweise der Menschen dieses Kulturraums, ihrer Wirtschaftsweise, der Struktur ihrer Gesellschaften, ihren Mythen und ihrer Religion gezogen werden. So weiß man, dass sie Silber, Gold und vor allem Bronze verarbeitet haben, aber kein Eisen. Sie kannten den Pflug, das Rad und die Achse, den Wagen und die Deichsel. Das Pferd wurde domestiziert. Vermutlich hat man das Tier vor ca. 4700 Jahren auch schon zum Reiten genutzt, was die schnelle Migration erklären kann. Ackerbau und Naturweidewirtschaft wurden betrieben. Es gibt viele Begriffe Viehwirtschaft (Milch, Butter, Wolle, Weben). Rinder und Schafe waren hoch bedeutsam. Die Gesellschaft selbst gemäß der Vaterfolge (patrilinear) organisiert, d. h., sozialer Status, Besitz, Familiennamen wurden ausschließlich in der männlichen Linie übertragen und vererbt. Es gab Stammesführer, die meist zugleich hohe Priesterfunktion besaßen. Vermutlich gab es die Klassen der Priester, der Krieger und der Bauern. Es dürfte eine sakral begründete Königsherrschaft gegeben haben. Die Religion könnte eine Vielzahl von Göttern (Polytheismus). Zentral war die Gestalt eines Himmelsvaters. Die Natur galt als beseelt mit bösen und guten Geistern und Göttern. Von großer Bedeutung waren Astralgottheiten (Sonne, Mond, Morgendämmerung etc.). Zu den mythologischen Gestalten gehören ein Urwesen, der Urmensch, ein Hirtengott, die Pferdezwillinge. Bedeutsam war auch ein Sturmgott, der eine mehrköpfige Schlange tötet, die im Wasser lebt, die Vorstellung von Sonne und Mond, die sich in Streitwagen am Himmel entlang bewegen, eine Schöpfungsgeschichte, in der von zwei Brüdern einer geopfert wird um die Welt zu erschaffen, ein Hund, der den Zugang zur anderen Welt (jenseits), welche nur über einen Fluss möglich ist, bewacht. Wichtig im Repertoire war ebenso der Weltenbaum, der die Frucht der Unsterblichkeit trug und von einer Schlange (einem Drachen) geschützt wurde. Zur Mythologie gehörte auch die Vorstellung von den drei Göttinnen, die den Faden des Lebens spinnen, die Verbindung von Feuer und Wasser, sowie Betrachtungen über das Weltende. Zur Religion gehörten besondere Opferrituale. In den überlieferten Traditionen der europäischen Kulturen sind heute noch Elemente der proto-indoeuropäischen Kultur vorhanden. Der Vortrag erläutert, was heute über die Proto-Indoeuropäer bekannt ist.




Kursort

Gilching, vhs, Fachraum 106

Landsberger Str. 17 a
82205 Gilching

Termine

Datum
12.07.2018
Uhrzeit
19:00 - 21:00 Uhr
Ort
Landsberger Str. 17 a, Gilching, vhs, Fachraum 106